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Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Wie das Studium auf die Politik vorbereitet – Viadrina-Alumni berichten aus dem Wahlkampf

Von zahlreichen Plakaten im aktuellen Wahlkampf um den Bundestag und das Berliner Abgeordnetenhaus schauen die Gesichter von Politikerinnen und Politikern, die an der Viadrina studiert haben. Hier berichten vier von ihnen, welche Erkenntnisse aus dem Studium ihnen im Wahlkampf helfen, was am Politikbetrieb am meisten nervt und welche Entscheidungen der Wissenschaftsstandort Deutschland braucht.

Julia Schneider, Bündnis90/Die Grünen, hat bis 2019 Intercultural Communication Studies und European Studies an der Viadrina studiert. Sie ist Landesbeamtin und wohnt in Berlin. In Berlin Prenzlauer Berg und Weißensee kandidiert sie als Direktkandidatin für das Berliner Abgeordnetenhaus.

JuliaSchneider_A1_color_print_190 ©Grüne

Ich bin in die Politik gegangen, weil … ich mich aktiv für eine gerechtere Gesellschaft einbringen möchte, in der alle Stimmen, auch die aus dem Osten, Gehör finden.

Das Wichtigste, das ich an der Viadrina für mein Leben als Politikerin gelernt habe, ist … mit allen zu reden, unterschiedlichste (internationale) Perspektiven und Blickwinkel in Betracht zu ziehen, um zu einem guten Ergebnis für alle zu kommen.

Am anstrengendsten im Wahlkampf finde ich … die viele Logistik – ständig transportiert man Dinge hin und her. Und dieses Jahr neu: populistischer Wahlkampf mit Fake-News im Kampagnendesign. Alt: Sexismus – ja, ich kandidiere – nein, das ist keine Partnerbörse.

Den Großteil meiner Zeit verbringe ich gerade damit … zu organisieren und in Kontakt mit Bürger:innen zu sein. Ich genieße den Austausch, aber manchmal schwirrt mir der Kopf vor so viel Veränderungswillen und guten Ideen und teilweise erschreckt es mich, wie rückwärtsgewandt manche Menschen sind – da mache ich mir dann Sorgen um unsere Zukunft.

Deutschland wird ein guter Wissenschaftsstandort, wenn … wir in den kommenden Jahren massiv in Bildung und Forschung investieren und den Zugang erleichtern. Gerade um der Fragmentierung der Gesellschaft und der Klimakrise entgegenzuwirken, brauchen wir eine starke Forschungslandschaft, um daraus als Gesellschaft zu lernen und in der Politik gute, wissenschaftsbasierte Entscheidungen zu treffen.

Daniel Rosentreter, CDU, hat bis 2010 Rechtswissenschaften an der Viadrina studiert. Er ist Richter und wohnt in Erkner. Im Wahlkreis Frankfurt (Oder) – Oder-Spree kandidiert er für einen Sitz im Bundestag.

Ich bin in die Politik gegangen, weil ... ich glaube, dass unser Land sehr viel mehr kann. Ich stoße täglich auf Probleme, die wir besser lösen könnten, egal ob in der Bildung, beim Thema Digitalisierung, Verkehr etc. Es gibt dann drei Möglichkeiten: die Dinge klaglos hinnehmen, meckern oder versuchen, etwas zu verändern. Ich habe mich für die letzte Alternative entschieden.

Das Wichtigste, das ich an der Viadrina für mein Leben als Politiker gelernt habe, ist ... die öffentliche Debatte. Ich habe als Student unter anderem am Jessup Moot Court (ein renommierter Wettbewerb für Juristinnen und Juristen, Anm. d. Red.) teilgenommen. Die dabei gesammelten Erfahrungen helfen mir jetzt sehr.

Am anstrengendsten im Wahlkampf finde ich ... den Fokus von einem Termin sofort auf den Folgetermin zu legen, der mitunter eine völlig andere Zielgruppe anspricht und bei dem man oft nicht weiß, was genau einen erwartet.

Den Großteil meiner Zeit verbringe ich gerade mit ... öffentlichen Debatten mit den anderen Direktkandidaten oder in Terminen mit bestimmten Wählergruppen (Schülern, Jägern, Unternehmern o. a.).

Deutschland wird ein guter Wissenschaftsstandort, wenn … wir es schaffen, antiquierte Strukturen in den Universitäten aufzubrechen, größere finanzielle Spielräume schaffen und Forschung in noch engerer Kooperation mit Technologieunternehmen zu betreiben.

Daniel Rosentreter_2_190 ©CDU

Sevim Aydin, SPD, hat 2006 ihren Master of European Studies an der Viadrina gemacht. Die Berlinerin arbeitet als Referentin für Opferschutz und kandidiert für das Berliner Abgeordnetenhaus.

Vordermann_Aydin_190 ©SPD

Ich bin in die Politik gegangen, weil … ich nicht nur meckern, sondern selbst etwas bewegen und gesellschaftliche Veränderungen mitgestalten will.

Das Wichtigste, das ich an der Viadrina für mein Leben als Politikerin gelernt habe, ist …, dass es zu Europa keine Alternative gibt.

Am anstrengendsten im Wahlkampf finde ich, … wenn ich Corona-Leugner:innen überzeugen muss.

Den Großteil meiner Zeit verbringe ich gerade mit … Straßenwahlkampf, wie zum Beispiel Frühverteilungen oder Haustürwahlkampf.

Deutschland wird ein guter Wissenschaftsstandort, wenn … wir internationale Forschungsverbünde weiterhin fördern und gute Bedingungen für Beschäftigte schaffen.

Stefan Kunath, Die Linke, hat bis 2016 European Studies studiert, derzeit promoviert er. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Matthias Höhn und kandidiert im Wahlkreis Frankfurt (Oder) – Oder-Spree für einen eigenen Sitz im Bundestag.

Ich bin in die Politik gegangen, weil … ich der Politik nicht ausgesetzt sein will, sondern sie selbst mitgestalten möchte und andere einladen will, ebenfalls Politik mitzugestalten.

Das Wichtigste, das ich an der Viadrina für mein Leben als Politiker gelernt habe, ist …, dass Frankfurt (Oder) eine sehr schöne und sehr lebenswerte Stadt mit ihren eigenen Ecken und Kanten ist. Als gebürtiger Frankfurter wollte ich nach der Schule bloß weg. Durch mein Studium an der Viadrina habe ich meine Heimatstadt neu entdeckt und mich mit ihr ausgesöhnt.

Am anstrengendsten im Wahlkampf finde ich …, dass es gefühlt keine Pausen gibt bei höchster Dauerkonzentration. Aber ich sehe es als Feuertaufe für die Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter.

Den Großteil meiner Zeit verbringe ich gerade … auf Podiumsdiskussionen, an Infoständen, bei Haustürgesprächen. Parallel beantworte ich Bürger:innenanfragen, gebe Interviews, gehe plakatieren. Parallel stimme ich alles Organisatorische mit meinem ehrenamtlich tätigen Wahlkampf-Team ab. Mein Tag beginnt um 8 Uhr und endet um 22 Uhr.

Deutschland wird ein guter Wissenschaftsstandort, wenn … sich junge Wissenschaftler:innen nicht mehr von einem befristeten Arbeitsvertrag zum nächsten hangeln müssen.

kunath_4096-2730-max_hoch_190 ©Linke