Banner Viadrina

Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

„Spuren der Geschichte in der Gegenwart sichtbar machen“ – Kerstin Hinrichsen und Markus Nesselrodt geben Stadtführer heraus

Stadtührer vor Brücke_hoch_190 ©MuV

Das Buch versammelt Beiträge von Magdalena Abraham-Diefenbach, Rita Aldenhoff-Hübinger, Werner Benecke, Uwe Rada, Hans-Jürgen Rehfeld, Ralf-Rüdiger Targiel, Karl-Konrad Tschäpe und Paul Zalewski.
Foto: MuV

Jede Menge Viadrina-Stimmen sind in dem neuen „Stadtführer Frankfurt (Oder) / Słubice“ vertreten, der in zwölf thematischen Routen die Geschichte der Doppelstadt erfahrbar macht. Herausgegeben wurde das zweisprachige Buch von Viadrina-Historiker Dr. Markus Nesselrodt und Viadrina-Alumna Dr. Kerstin Hinrichsen. Im Interview beschreiben beide, wie sie auf die Idee gekommen sind und verraten ihre Lieblingsorte in der Doppelstadt.

Wie sind Sie darauf gekommen, einen Stadtführer herauszugeben?
Kerstin Hinrichsen: Bei der Vorbereitung für eine Stadtführung und ein Uni-Seminar ist uns der Band „Frankfurt Oder Słubice. Sieben Spaziergänge durch die Stadtgeschichte“ in die Hände gefallen, den Professor Ulrich Knefelkamp 2003 mit einer Gruppe von Studierenden veröffentlicht hat. Das ist ein tolles Buch; allerdings hat sich an der deutsch-polnischen Grenze vieles verändert. Die Überlegung, diesen Band zu aktualisieren, war der Ausgangspunkt für unseren Stadtführer. Uns bot sich die Gelegenheit, die Geschichte der Doppelstadt neu zu erzählen. Und obwohl wir beide Wissenschaftler/innen sind, sollte es kein wissenschaftliches Fachbuch werden, sondern für eine breite Öffentlichkeit lesbar. Wir sind beide Mitglieder des Instituts für angewandte Geschichte und große Befürworter des Ansinnens, Stadt und Uni, Gesellschaft und Wissenschaft, näher zusammenzubringen.

Markus Nesselrodt: Wichtig war uns dabei, Expertinnen und Experten aus Frankfurt und Słubice einzubinden; aus der Stadt und von der Uni. Der Spagat zwischen unserem Anspruch an wissenschaftliche Genauigkeit und dem Reiseführergenre war manchmal nicht einfach. Statt Informationen zu Einkaufs- oder Ausgehmöglichkeiten soll der Stadtführer die Spuren der Geschichte in der Gegenwart der Doppelstadt sichtbar machen. Die Texte können ganz klassisch vor oder während des Rundgangs gelesen werden.

PK (c) Mausolf_395 ©Winfried Mausolf

Präsentation des Stadtführers: Tomasz Pilarski und Aneta Szcześniewicz vom Stadtmarketing, Kerstin Hinrichsen (auf dem Bildschirm zugeschaltet) und Markus Nesselrodt (v.l.)                                     Foto: Winfried Mausolf


Was ist Ihr ganz persönliches Interesse an der Doppelstadt?
Markus Nesselrodt: Der Lehrstuhl von Prof. Werner Benecke, an dem ich arbeite, behandelt regelmäßig die Stadtgeschichte in Lehrveranstaltungen für Studierende, aber auch in öffentlichen Vorträgen. Wir fühlen uns als Universitätsangehörige mitverantwortlich für die Beschäftigung mit der Geschichte vor Ort.

Kerstin Hinrichsen: Wir sind beide in den 2000er-Jahren bewusst an die Viadrina gekommen, um an der deutsch-polnischen Grenze zu studieren. Es ist wirklich ein besonderer Ort. Wir beschäftigen uns beide schon seit vielen Jahren mit der deutsch-polnischen Geschichte und dem deutsch-polnischen Austausch – auf wissenschaftlicher und auf zivilgesellschaftlicher Ebene. Deshalb war für uns von Anfang an klar, dass es ein deutsch-polnischer Stadtführer werden müsse. 

Was macht ihn zu einem wirklich grenzüberschreitenden Projekt?
Markus Nesselrodt: Er bezieht beide Seiten der Oder ein. Da Słubice erst 1945 gegründet wurde und die kleinere der beiden Städte ist, liegen mehr Orte der Spaziergänge auf der Frankfurter Seite. Das Buch ist aber auch von Anfang an ein Projekt gewesen, an dem Deutsche und Polen beteiligt waren, sei es als Autorin, Projektleiterin, Fundraiser oder Übersetzerin. Dank der Förderung durch den Fonds für regionale Entwicklung der Europäischen Union konnten wir sicherstellen, dass es eine deutsche und eine polnische Ausgabe gibt.

Welche Entdeckungen aus dem Buch sind Ihre ganz persönlichen Tipps?
Kerstin Hinrichsen: Ich hoffe, dass der Stadtführer dazu einlädt, sich Orte anzusehen, die nicht unmittelbar in der Innenstadt liegen: das Stadion in Słubice, der Botanische Garten, der Winterhafen. Man kann sich auch auf ganz neue Themen einzulassen – ich zum Beispiel wusste vorher nur wenig über Frankfurts Bedeutung als Eisenbahnerstadt.

Markus Nesselrodt: Ich bin begeistert von den Spuren moderner Architektur aus der Weimarer Republik: die Paulinenhofsiedlung und das ehemalige staatliche Musikheim. Diese Gebäude belegen Frankfurts besondere Stellung vor dem Zweiten Weltkrieg und lohnen unbedingt einen Besuch. Mein Lieblingsort ist aber das Schöpferdenkmal im Lennépark, auf dem sich der Name des jüdischen Bankiers Louis Mende eingraviert findet. Das Denkmal aus dem Jahr 1886 erinnert somit auch an eine Zeit der friedlichen Koexistenz von Christen und Juden in Frankfurt.

Der von der Messe und Veranstaltungs GmbH federführend realisierte Stadtführer kann – nach vorheriger Vereinbarung eines Termins – in der Tourist-Information Frankfurt Oder / Słubice, Große Oderstraße 29, kostenfrei abgeholt werden.

(FA)