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Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Interview zu Erasmus und Brexit: „Laufende Auslandsaufenthalte dürfen nach alten Standards beendet werden“

Seit dem 1. Januar sorgt der Brexit für neue Bedingungen auf akademischer Ebene zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich. Eine der entscheidenden Veränderungen betrifft den Ausstieg der Briten aus dem Erasmus+-Programm. Wie Studierende dennoch für einen Austausch auf die „Insel“ kommen, verrät Torsten Glase, Co-Director des Internationalen Büros, im Interview.

mont-Brexit+20180417_Torsten-Glase_600 ©Foto+Montage Heide Fest incl. Brexit-Wegweiser © pixabay_Tumisu

Co-Director Internationales Büro: Torsten Glase                                                                     Montage: Heide Fest

Herr Glase, mit dem Jahreswechsel ist der Brexit nun auch für einige unserer Studierenden zur harten Realität geworden. Wie viele Studentinnen und Studenten sind davon aktuell betroffen?

Für das akademische Jahr 2020/21 planen sechs Viadrina-Studierende einen Auslandsaufenthalt in Großbritannien. An der Europa-Universität studieren derzeit zwei Briten und ein weiterer Aufenthalt ist noch geplant. 

Was ändert sich für sie? Und wie geht es künftig für Studierende weiter, die ein oder mehr Semester in Großbritannien verbringen möchten?

Die laufenden Projekte dürfen nach den allgemeinen Erasmus-Standards zu Ende geführt werden. Dies bedeutet, dass wir bis März 2023 auch weiterhin Austausche mit Großbritannien wie bisher finanzieren können. Durch Corona wurde außerdem das Erasmus-Projekt auf März 2023 verlängert. Danach ändern sich die Modalitäten und werden durch bilaterale Verträge geregelt – ähnlich denen mit Asien oder den USA. Das heißt, es werden auch weiterhin Studierendenaustausche möglich sein.

Was heißt das genau für die Finanzierung? Wird es Stipendien geben, die Viadrina-Studierende unterstützend in Anspruch nehmen können?

Ab März 2023 gelten dann die sogenannten Overseas Fees mit wahrscheinlich rund 9000 Pfund pro Jahr. Dies könnte allerdings mit bilateralen Übereinkommen umgangen werden, so dass unsere Studierenden keine Gebühren bezahlen müssen. Sie könnten sich beispielsweise auf Promos vom DAAD bewerben. Ob es noch andere Programme zur Finanzierung geben wird, ist noch nicht klar. Es finden zurzeit Gespräche statt, dass Großbritannien ein eigenes Programm auflegen wird. Ob dieses dann nur für Studierende aus Großbritannien gilt oder auch für unsere, ist noch offen.

Mit welchen Kosten werden derzeit Studierende konfrontiert, die länger als ein Semester in Großbritannien bleiben möchten?

Studierende müssen zurzeit ein Studierendenvisum beantragen, das umgerechnet rund 385 Euro kostet. Hinzu kommt ein Immigration Health Surcharge für den Zugang zum National Health Service mit etwa 520 Euro.

Wie viele Partnerschaften pflegt die Viadrina derzeit mit Universitäten in Großbritannien?

Wir haben neun Partneruniversitäten in Großbritannien, darunter das renommierte University College London, die Queen Mary University in London und die Aston University in Belfast. (KH/HST)