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Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mutig, kritisch-patriotisch, weitsichtig – Symposium über den Brückenbauer Władysław Bartoszewski

Mehr als 100 Interessierte verfolgten am 26. November die Online-Veranstaltung „Brücken bauen – ein Symposium für Władysław Bartoszewski“, zu dem die Viadrina anlässlich des 5. Todestages des polnischen Historikers, Diplomaten und Politikers eingeladen hatte.

Zu Ehren Władysław Bartoszewski versammelten sich namhafte Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Gesellschaft, Politik und Kultur aus Polen und Deutschland, um an die Ideen der deutsch-polnischen Versöhnung und des europaweiten Dialogs im Sinne des Protagonisten zu erinnern und diese aus der gegenwärtigen Perspektive zu reflektieren. Viele der Referentinnen und Referenten waren teils eng befreundete Weggefährten Bartoszewskis. Ihre authentischen, lebhaften Erinnerungen und Erzählungen ließen das in zwei Panels gegliederte Symposium zu einem besonderen Ereignis werden.

Zentrales Thema war das Brückenbauen zwischen Deutschland und Polen – eine Lebensaufgabe Bartoszewskis, auf die die erste Gesprächsrunde aus einer wissenschaftlichen Perspektive schaute. Prof. Dr. Gesine Schwan, Präsidentin der Humboldt-Viadrina Governance Platform, erinnerte an die Prämisse von Władysław Bartoszewski, dass nur über die Fähigkeit, sich in einen Menschen, in seine Geschichte und seine Kultur, versetzen zu können, eine transgesellschaftliche Verständigung möglich sei. Eine weitere Eigenschaft Bartoszewskis rückte Prof. Dr. Andrzej Friszke vom Institut für Politische Studien der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) ins Zentrum. Er bezeichnete Bartoszewski als einen integralen aber kritischen Patrioten. Er habe nicht davor gescheut, auch die Fehler der eigenen Nation zu spiegeln – in der Erwartung einer kritischen Selbstreflektion des Gegenübers.  

Symposium_Bild1_600x400 ©Anita Szczukowski

In der Einleitung zum zweiten Panel über „Diplomatische Brücken“ erinnerte Wojciech Soczewica, Direktor der Auschwitz-Birkenau Stiftung, an die sehr frühen Berichte Bartoszewskis über das erlebte Unrecht des Zweiten Weltkrieges unter anderem im Konzentrationslager Auschwitz. Seine Initiative, die Hand zur Versöhnung auszustrecken, auch schon zu Zeiten, als es nicht möglich erschien, erklärte sich der Diplomat Marek Prawda mit dem besonderen Mut Bartoszewskis. Seine Diplomatie sei von einer oppositionellen Haltung und einem gekonnten Überschreiten von Grenzen geprägt gewesen.

Ein beeindruckendes Schlusswort steuerte Dr. Władysław Teofil Bartoszewski, Sohn von Władysław Bartoszewski und Sejm-Abgeordneter bei, indem er die starke Motivation und das Engagement seines Vaters zum Brückenbauen mit privaten Prägungen erklärte. Zum einen sei er durch die gelebte Toleranz in seinem Familienhaus geformt worden. Des Weiteren lehrten ihn seine Lehrer in der Jesuitenschule Weitsicht, christliche Moral und Rücksicht. Und schließlich prägte ihn die Überzeugung, dass die schrecklichen Verbrechen der Nationalsozialisten nicht durch gleiche Taten vergolten werden dürfen.

Anlässlich des Symposiums wurde die Ausstellung „Władysław Bartoszewski – Widerstand, Erinnerung, Versöhnung, Kulturdialog“ im Foyer des Gräfin-Dönhoff-Gebäudes eröffnet. Der persönliche Assistent von Władysław Bartoszewski, Publizist und Hauptkurator Dr. Marcin Barcz, präsentierte anschaulich die nach den wichtigsten Stationen des Protagonisten konzipierte Ausstellung. Einen neuen, vierten Teil mit dem Titel „Kulturdialog mit Karl Dedecius“ besprach Kuratorin Dr. Ilona Czechowska mit Blick auf die biografischen und beruflichen Parallelen der beiden Akteure hinsichtlich ihres Engagements im deutsch-polnischen Versöhnungsdialog. Für externe Besucherinnen und Besucher ist die Ausstellung aufgrund der derzeitigen Pandemie-Bestimmungen online zu erleben.

Ausstellung-Bartoszewski_UV_7256_600 ©Heide Fest

Das maßgeblich durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit geförderte Symposium wurde veranstaltet in Kooperation mit der Kardinal-Stefan-Wyszyński-Universität Warschau, der Karl Dedecius Stiftung, der Bartoszewski-Initiative der Deutsch-Polnischen Gesellschaft und dem Pan Tadeusz Museum der Ossoliński-Nationalbibliothek in Wrocław. 
(Anita Szczukowski)