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Faszination hochkomplexer philosophischer Überlegungen auch für Laien greifbar – Viadrina-Kulturphilosophin Prof. Dr. Katja Diefenbach erhält Sonderpreis „Geisteswissenschaften International“

Diefenbach_Katja_4045 ©Heide Fest

Für ihre Publikation „Spekulativer Materialismus. Spinoza in der postmarxistischen Philosophie“ erhält Prof. Dr. Katja Diefenbach, Inhaberin der Professur für Kulturphilosophie / Philosophie der Kulturen, den Sonderpreis im Rahmen des Programms „Geisteswissenschaften International“. Er dient der Übersetzungsförderung und internationalen Sichtbarmachung herausragender geistes- und sozialwissenschaftlicher Werke.

„Katja Diefenbachs große Studie zeigt, wie die Rezeption Spinozas der französischen Philosophie seit den 1960er Jahren ganz neue Wege gewiesen hat“, begründet die Jury ihre Entscheidung. „Diefenbach zeichnet eine Karte dieser neuen Wege und verfolgt, wie sich die Gedankenbewegungen unterschiedlicher Autor:innen miteinander kreuzen, einander berühren und auseinanderstreben. Dabei schildert sie die Kontroversen, die sich ergeben, nicht aus gleichgültiger Distanz, sondern greift in sie ein. Ihr geht es darum, grundlegende Alternativen des Denkens zu begreifen und in ihnen Partei zu ergreifen.“ Dabei gelinge ihr Erstaunliches: „Sie bewegt sich zugleich in hochkomplexen philosophischen Überlegungen und vermag sie so zu durchdringen, dass ihr Sinn, ja, ihre Faszination auch für Laien greifbar wird.“

„Ich freue mich sehr über die Preisverleihung und die damit verbundene Anerkennung für ein Buch, das sich um die Unkonventionalität und Zukunftsmächtigkeit des Denkens von Baruch de Spinoza dreht.“, so Prof. Dr. Katja Diefenbach in einer ersten Reaktion auf die Auszeichnung. Der Amsterdamer Philosoph habe Positionen geprägt, die für das 17. Jahrhundert von äußerster Extremität waren und die bis heute die kritische Kontinentalphilosophie und den Postmarxismus beschäftigen. „Dazu zählen etwa die These, dass nicht nur die Ratio, sondern auch die Affekte bei der Gewinnung von Wissen und Erkenntnis eine wichtige Rolle spielen, aber auch die Auffassung, dass die Menschen dazu fähig sind, sich selbst zu regieren und ohne Vermittlung, aus ihren eigenen Kräften, soziale Lebensformen von unten produzieren und instituieren zu können. Hinzu kommt, dass Spinoza z. B. entgegen der Ansicht Hobbes' davon überzeugt war, dass die Menschen keine egoistischen und besitzindividualistischen Wesen darstellen, sondern transindividuelle Wesen wechselseitigen Austauschs und kollektiver Kraftsteigerung sind. Spinoza bejaht die Freude, die Differenz und ist einer der ersten neuzeitlichen Denker, der eine Art politischen Massenstandpunkt in der Philosophie bezieht.“

Hier sind das Vorwort und Inhaltsverzeichnis des Buches zu finden.

„Spekulativer Materialismus. Spinoza in der postmarxistischen Philosophie“ ist erschienen bei Turia + Kant.


Zweimal im Jahr zeichnen der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Fritz Thyssen Stiftung, die VG WORT und das Auswärtige Amt hervorragende geistes- und sozialwissenschaftliche Werke aus und finanzieren deren Übersetzung. Ziel der Auszeichnung ist die stärkere internationale Verbreitung deutscher Forschungsergebnisse in den Sozial- und Geisteswissenschaften und die globale Vernetzung deutscher Wissenschaft. Insgesamt profitieren im Herbst 2021 13 geisteswissenschaftliche Werke von einer Übersetzungsförderung.

Der Jury gehören an: Prof. Dr. Luca Giuliani (Juryvorsitzender), Prof. Dr. Tilman Allert (Universität Frankfurt, emeritiert), Alexander Cammann (Die ZEIT), Prof. Dr. Philipp Gassert (Universität Mannheim), Dr. Jan Niklas Howe (Universität München), Prof. Dr. Doris Kaufmann (Universität Bremen), Prof. Dr. Christoph Menke (Universität Frankfurt), Prof. Dr. Gloria Meynen (Kunstuniversität Linz), Dr. Martin Rethmeier (De Gruyter), Thedel von Wallmoden (Wallstein Verlag).

(MG)