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„Am Ende der europäischen Integration stehen nicht zwangsläufig die Vereinigten Staaten von Europa.“ – Semesterauftakt der Europa-Studien

2017_04_19_EOe-IFES-MES_MG_0266 ©Heide Fest

Prof. em. Dr. Hans-Jürgen Wagener, Mitbegründer und langjähriger Direktor des Frankfurter Instituts für Transformationsstudien an der Europa-Universität, kehrte am 18. April an die Viadrina zurück. Der emeritierte Volkswirt hielt die Festrede einer gleich dreifachen Semestereröffnung: des Master-Studiengangs European Studies, des Instituts für Europa-Studien und des Europa-Kolloquiums.

„Transformations- und Europastudien: Zwei Seiten einer Medaille?“ – das war das bogenspannende Thema des Vortrags von Prof. em. Dr. Hans-Jürgen Wagener, der 1995 das FIT mitbegründet hatte. Der Volkswirt nahm die Zuhörenden mit auf eine Reise durch zwei Jahrzehnte gesellschaftliche Transformationsforschung, deren Denktraditionen und Fragestellungen. Gesellschaftlichen Wandel zu untersuchen sei ein spannendes und lohnendes Unterfangen, das nicht an Aktualität eingebüßt habe: „Geschichte und gesellschaftliche Entwicklungen zeigen sich ergebnisoffen. Transformations- und Integrationsprozesse verlaufen nicht teleologisch. Häufig sind sie Ergebnis spontaner Interaktion, selbst wenn diese auf Intention beruht. Und so stehen am Ende der europäischen Integration nicht zwangsläufig die Vereinigten Staaten von Europa“, so Wagener.

Das neu gegründete Viadrina Institut für Europa-Studien (IFES) erforscht gesellschaftliche, politische und kulturelle Zusammenhänge auf dem europäischen Kontinent aus interdisziplinärer Perspektive. „Die besondere Klammer ist, dass wir Europäisierung und europäische Integration als ambivalent begreifen“, so Prof. Dr. Timm Beichelt, Leiter des IFES. Bisher haben sich 15 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen drei Fakultäten der Viadrina dem Institut angeschlossen, um die aktuellen Herausforderungen der Europäischen Union kritisch wissenschaftlich zu begleiten.

Als Leiter des Master-Studiengangs European Studies stellte Beichelt die Publikationsreihe „MES-Perspektiven“ vor, in der herausragende Abschlussarbeiten seiner Studierenden veröffentlicht werden. Im April erscheinen vier Bände der Reihe, unter anderem zum Flüchtlingsabkommen der Europäischen Union mit der Türkei und zur EU-Skepsis in der Linkspartei.

In dem Master-Studiengang studieren derzeit 250 Studierende, 50 bis 60 Studierende schließen pro Jahr ihr Studium ab. Die bisherigen Absolventinnen und Absolventen stammen aus über 25 Ländern.
(MG / LW)