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Wissenschafts- und Wirtschaftstag zur Digitalisierung: Vom Online-Handel mit Lebensmitteln bis zum „Crowdworking“

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Rund 60 Vertreterinnen und Vertreter aus regionalen Unternehmen, Wissenschaft und Politik kamen am 5. April beim 3. Frankfurter Wissenschafts- und Wirtschaftstag zum Thema Digitalisierung der Gesellschaft zusammen. Unter den Referentinnen und Referenten waren auch die Viadrina-Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Jan Ehmke und Prof. Dr. Jochen Koch. Sie erläuterten, welche neuen Geschäftsmodelle durch Digitalisierung entstehen.

Der Lebensmitteleinzelhandel verändert sich: Kunden können zunehmend auch Nahrungsmittel online bestellen und sich die Waren nach Hause liefern lassen. Zu derartigen Lieferkonzepten für den Online-Handel forscht Viadrina-Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Jan Ehmke. Dafür wertet er anonymisierte Kundendaten von Supermarktketten aus, die ihre Kundinnen und Kunden beliefern: „Die Logistik für die Lieferung von Lebensmitteln ist komplex. Die Anbieter müssen auf Kundenwünsche eingehen, zeitnah und kostenfrei liefern. Gleichzeitig müssen die Unternehmen den Verkehr berücksichtigen und die Abgabestationen so kombinieren, dass sie die Liefertermine einhalten können“, so Ehmke, der die Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Business Analytics, innehat. Im ländlichen Raum, etwa im Flächenland Brandenburg, stehe diese Logistik vor der Herausforderung, größere Strecken zurücklegen zu müssen.

Mit dem Outsourcen unternehmerischer Aufgaben an Internetnutzerinnen und -nutzer, dem so genannten „Crowdworking“, beschäftigt sich Prof. Dr. Jochen Koch. Der Managementexperte ist Teil eines interdisziplinären Teams, das „Crowdworking“ auf wirtschaftswissenschaftliche, juristische und soziologische Fragestellungen hin untersucht.  „Crowdworking gilt gerade für Gewerkschaften als Paradebeispiel für Ausbeutung. Wir haben festgestellt, dass lediglich ein Teil der Crowdworking-Tätigkeiten einfache und schlecht bezahlte Aufgaben sind, etwa die Eingabe von Daten oder das Testen von Produkten. Crowdworking wurde unserer Meinung nach in der öffentlichen Wahrnehmung zu schnell fehleingeschätzt.“ Koch rechnet damit, dass auch in Deutschland zunehmend mehr Unternehmen Aufgaben an die „Crowd“ übertragen werden.

Weitere Themen der Tagung waren die Digitalisierungsstrategie des Landes Brandenburg und die Breitbandversorgung, über die u. a. Gerhard Ringmann, Leiter der Wirtschaftsförderung im brandenburgischen Ministerium für Wirtschaft und Energie, und Mario Quast, Wirtschaftsreferent der Stadt Frankfurt (Oder), informierten.  

Der 3. Frankfurter Wissenschafts- und Wirtschaftstag fand in den Räumlichkeiten der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg (IHK) in Frankfurt (Oder) statt. Die Tagung wurde gemeinsam ausgerichtet von der Gesellschaft zur Förderung von Wissenschaft und Wirtschaft e. V. (GFWW), der Europa-Universität Viadrina und der IHK Ostbrandenburg. (LW)