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Karl-Dedecius-Preisträgerinnen Eliza Borg und Lisa Palmes im Gespräch über deutsch-polnische Literaturübersetzungen

20180608_Dedecius-Preistraeger ©Georg Schilffarth

Wie unterschiedlich der Karriereweg von Literaturübersetzerinnen und -übersetzern verlaufen kann, skizzierten Eliza Borg und Lisa Palmes anlässlich eines deutsch-polnischen Seminars am 8. Juni. 2017 hatten sie den Karl-Dedecius-Preis für exzellente Übersetzungen polnischer und deutscher Literatur erhalten.  

Eliza Borg und Lisa Palmes waren im Rahmen des deutsch-polnischen Seminars „Literaturübersetzung im deutsch-polnischen Kulturdialog – Tadeusz Różewicz im Wechselspiel der Kulturen“ am Collegium Polonicum zu Gast in Frankfurt (Oder). In einem Gespräch in der Stadt- und Regionalbibliothek schilderten sie ihren Werdegang und ihre Übersetzungsphilosophie.

Eliza Borg war in den 1980er Jahren Deutschlektorin an der Universität Warschau und begann nebenberuflich zu übersetzen. Ihr Debüt war der Roman „Heimatmuseum“ von Siegfried Lenz. „Es war ein guter Einstieg, gleich einen so renommierten Autor übersetzen zu dürfen“, so Borg. Sie übersetzte zudem Werke von Alexander Kluge, Jenny Erpenbeck und Elias Canetti ins Polnische. 

Lisa Palmes, die seit 2009 als freiberufliche Übersetzerin tätig ist, hatte es schwieriger. Für das erste von ihr ins Deutsche übersetzte Buch fand sie keinen Verlag. „Es ist wichtig, sich von solchen negativen Erfahrungen nicht abschrecken zu lassen“, sagte Palmes. 2010 konnte sie die Übersetzung der vielbeachteten literarischen Reportage „Wanderer der Nacht“ von Wojciech Jagielski über Kindersoldaten in Uganda veröffentlichen. Neben Reportagen übersetzte sie Romane polnischer Autorinnen und Autoren, wie Joanna Bator, Lidia Ostałowska, Filip Springer und Justyna Bargielska.

Befragt nach ihrer Übersetzungsphilosophie erläuterten beide Preisträgerinnen, dass Literaturübersetzerinnen und -übersetzer nicht unsichtbar seien, aber auch die Originalität von Autorinnen und Autoren respektieren sollten. „Natürlich muss ich als Übersetzerin kreativ sein, aber ich bin keine Künstlerin“, erklärte Borg. Beide betonten zudem, dass der Respekt vor dem Originaltext wichtig sei.

Das Gespräch wurde moderiert von Dr. Birgit Krehl, Literaturwissenschaftlerin an der Universität Potsdam und Übersetzerin. Es fand auf Einladung der Stiftung Karl Dedecius Literaturarchiv an der Viadrina in Kooperation mit dem Deutschen Polen Institut statt.

Alle zwei Jahre verleihen das Deutsche Polen Institut und die Robert Bosch Stiftung den Karl-Dedecius-Preis für polnische und deutsche Literaturübersetzungen. (Birgit Krehl / Ilona Czechowska / LW)