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„So schaffen wir das“ – Studierende der Viadrina präsentierten erste bundesweite Studie zu zivilgesellschaftlichem Engagement für Geflüchtete

Aus rund 1.000 Flüchtlingsprojekten hatten Viadrina-Studierende und -Doktorandinnen 90 zivilgesellschaftliche Initiativen ausgewählt und untersucht, wie Bürgerinnen und Bürger Geflüchtete unterstützen. Am 3. Mai stellten sie ihre Ergebnisse mit dem Sammelband „So schaffen wir das“ erstmals der Öffentlichkeit vor.

„Die 90 von uns ausgewählten Projekte zeigen, was die Zivilgesellschaft in Deutschland für Geflüchtete leisten kann. In den Kommunen haben Menschen angepackt und so den Geflüchteten ein gutes Ankommen ermöglicht“, fasste Viadrina-Migrations- und Islamexperte Prof. Dr. Werner Schiffauer die Studie zusammen, die er wissenschaftlich begleitet hatte. Die Zivilgesellschaft habe sich damit neu aufgestellt und gezeigt, was möglich sei, wenn alle an einem Strang ziehen. Schiffauer sieht darin eine neue Form der sozialen Bewegung. „Viele Initiativen entstanden aus einer starken lokalen Identifikation heraus, um vor Ort zu helfen. Neben dem Humanitären ist das Engagement auch von dem Wunsch geleitet, sich für eine weltoffene Gesellschaft einzusetzen.“

Der von Studierenden und Schiffauer herausgegebene Sammelband verdeutlicht, wie sich Menschen in den Gemeinden oftmals ehrenamtlich engagieren: „Insgesamt 19 Studierende und Promovierende sind ein Jahr lang durch die ganze Republik gereist, um mit den Akteurinnen und Akteuren zu sprechen“, so Mitherausgeberin Marlena Rudloff, die mittlerweile als Bildungsreferentin für den Berliner Arbeitskreis für politische Bildung e. V. tätig ist.

Vincenz Hokema hatte sich im Bereich Wohnen eine ganz besondere Herausforderung angeschaut. In seinem Beitrag untersucht er, wie es eine kleine niedersächsische Gemeinde schaffte, sieben Mal so viele Geflüchtete wie dort lebende Einwohnerinnen und Einwohner aufzunehmen und mit ihnen zusammenzuleben: „In Sumte in Niedersachsen kamen auf 102 Bewohner insgesamt 750 Geflüchtete, die in einem leer stehenden Bürokomplex untergebracht wurden. Zunächst waren die Vorbehalte der Bevölkerung groß, aber dann hat sich die Lage dank des unermüdlichen Einsatzes des Projektträgers gedreht. Viele vermittelnde Gespräche haben letztlich dazu geführt, dass enge Kontakte zwischen Einheimischen und Geflüchteten entstanden sind“, so sein Befund.

Weitere Beiträge des Bandes zeigen, welche Herausforderungen sich für die Akteure in insgesamt 13 Handlungsbereichen – darunter Wohnen, Gesundheit, Rechtshilfe und Bildung – ergeben und wie die einzelnen Projekte diese beantworten.

Der Sammelband „So schaffen wir das – eine Zivilgesellschaft im Aufbruch. 90 wegweisende Projekte mit Geflüchteten“ ist im Transcript Verlag (ISBN 978-3-8376-3829-5) erschienen und zum Preis von 24,99 Euro im Buchhandel erhältlich. Die Studie ist auch kostenlos als PDF-Datei abrufbar unter: http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3829-5/so-schaffen-wir-das-eine-zivilgesellschaft-im-aufbruch

Ein zweiter Band ist derzeit in Arbeit. Er versammelt ethnografische Langzeitstudien einzelner Projekte, die veranschaulichen, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Projekte mit und für Geflüchtete nachhaltig erfolgreich sein können. Die Ergebnisse werden voraussichtlich im September 2017 veröffentlicht. (LW / MG)

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