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„,America first’ wird wohl nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Außenpolitik gelten.“

Auch eine Woche nach dem Wahlsieg von Donald Trump war den Politikwissenschaftlern Prof. Dr. Jürgen Neyer und Prof. Dr. Michael Minkenberg und dem Volkswirt Prof. Ingo Geishecker, PhD, anzumerken, wie erstaunt sie über den Wahlausgang waren. Im vollen Hörsaal diskutierten sie am 15. November mögliche Ursachen und Auswirkungen des Wahlergebnisses auf die Europäische Union und den internationalen Handel.

Prof. Dr. Michael Minkenberg hatte die Wahl an der amerikanischen Ostküste beobachtet und schilderte seine Eindrücke. „In New York habe ich miterlebt, wie Menschen nach Bekanntwerden der Ergebnisse vor dem Trump-Tower gegen den neuen Präsidenten demonstrierten“, so Minkenberg. „Auch vereinzelte Trump-Unterstützer waren auf der Straße. Sie hielten Plakate mit dem Slogan „Drain the Swamp“ [„Trockne den Sumpf aus“] hoch, die sich gegen die politische Elite in Washington richten.“

Volkswirt Prof. Ingo Geishecker, PhD, hob hervor, dass insbesondere weiße Amerikaner vom wirtschaftlichen Niedergang in den vergangenen Jahrzehnten betroffen waren. „In der größten Industrieregion im Nordosten der USA, dem so genannten Rust Belt, sind in den vergangenen Jahrzehnten ein Drittel der Jobs im produzierenden Gewerbe weggefallen. Das lag aber nicht an den Importen aus Mexiko und China, wie Trump seinen Wählern weismachen wollte, sondern an der Steigerung der Produktivität in den USA.“ Geishecker geht davon aus, dass von Trump angekündigte protektionistische Maßnahmen, wie etwa die Einführung höherer Einfuhrzölle, nicht dazu führen werden, dass diese Jobs wieder aus anderen Ländern in die USA zurückkommen.

Prof. Dr. Jürgen Neyer analysierte die Auswirkungen der US-Wahl auf die internationalen Beziehungen. Er stellte in Aussicht, dass das Konzept „America first“ wohl nicht nur für die Wirtschaft gelten werde, sondern auch für die Außenpolitik: „Die USA könnten ihr Engagement in der NATO reduzieren und keine weiteren Truppen ins Baltikum schicken. Ein Rückzug der USA von der internationalen Bühne würde aber wohl am ehesten die Vereinten Nationen schwächen. In diesem Fall würden die Vereinigten Staaten ihre Beiträge an die UNO reduzieren, was den Handlungsspielraum der Staatengemeinschaft einschränken würde“. Die englischsprachige Diskussion wurde moderiert von der Politikwissenschaftlerin Dr. Anja Hennig. (LW)  

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