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Abteilung für Hochschulkommunikation

Medieninformation

MEDIENINFORMATION

Nr. 175 vom 20. Dezember 2007

VolkswagenStiftung fördert an der Viadrina Forschungsprojekt
„Kirche und Religion im erweiterten Europa”

 

Am Lehrstuhl für Vergleichende Kultursoziologie und am Frankfurter Institut für Transformationsstudien (F.I.T.) an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) untersucht derzeit eine Gruppe von Religionssoziologen (Prof. Dr. Detlef Pollack, Dr. Gert Pickel, Olaf Müller) Effekte der zunehmenden religiösen Pluralisierung auf die politischen und religiösen Einstellungen der Bevölkerung. Den Ergebnissen einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage zufolge, die im Jahr 2006 innerhalb des von der VolkswagenStiftung finanzierten Projektes „Kirche und Religion im erweiterten Europa“ durchgeführt wurde, wird in Deutschland die Frage, ob man eine größere Vielfalt religiöser Organisationen und Gruppen wünscht, mehrheitlich negativ beantwortet. Im konfessionell gemischten Westen Deutschlands sind es nur zehn Prozent, die sich eine größere religiöse Vielfalt wünschen, im stark entkirchlichten Osten mit sieben Prozent noch weniger. „Das spricht“, kommentieren die Forscher die Ergebnisse ihrer Studie, „auf den ersten Blick nicht dafür, dass die Mehrheit der Bevölkerung die gewachsene Pluralität der religiösen Gemeinschaften begrüßt und als Bereicherung ansieht“. Gefragt danach, ob die Menschen in ihren religiösen Überzeugungen auf Lehren unterschiedlicher religiöser Traditionen zurückgreifen, bejahen dies mit 26 Prozent der Befragten im Westen Deutschlands und 16 Prozent der Befragten im Osten Deutschlands zwar etwas mehr. Wie die Forscher herausstellen, deuten die Zahlen aber darauf hin, dass die oft behauptete Bastelreligiosität in Deutschland letztlich nur von einer Minderheit praktiziert wird. Statt die wachsende Vielfalt religiöser Gruppierungen in der Gesellschaft als eine Chance zu begreifen, wird sie von einer deutlichen Mehrheit der Bevölkerung eher als ein Konfliktherd angesehen. Im Westen Deutschlands nehmen etwa 72 Prozent der Bevölkerung die steigende religiöse Pluralität als eine Ursache für gesellschaftliche Spannungen wahr, im Osten Deutschlands sind es 69 Prozent. Auch das Gefühl einer Bedrohung des eigenen Landes durch fremde Kulturen ist nicht selten anzutreffen. In Deutschland Ost und West sind es immerhin 43 bzw. 44 Prozent, die bekunden, sich durch fremde Kulturen bedroht zu fühlen, mehr als in vielen anderen europäischen Ländern. Die Furcht vor dem Konfliktpotential religiöser Vielfalt und vor dem Verlust der eigenen kulturellen Fundamente durch fremde Einflüsse findet sich bei religiösen Personen in gleichem Maß wie bei denjenigen, die sich als wenig oder als gar nicht religiös bezeichnen.

 

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Detlef Pollack
E-Mail: pollack@euv-frankfurt-o.de
Tel.: 0335 / 5534 2924
http://www.kuwi.euv-frankfurt-o.de/de/lehrstuhl/vs/kulsoz/index.html