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Gleichstellung an der Viadrina

Argumente zu geschlechtersensibler Sprache

„Texte werden unverständlich.“ / „Das lenkt vom Inhalt ab.“

In sprachwissenschaftlichen Studien [Link Unterseite Zum Weiterlesen] finden sich keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung von Lesbarkeit und Verständlichkeit. So gab es etwa Versuche mit Verpackungsbeilagen von Arzneimitteln, die dieser Frage nachgegangen sind, die aber nicht zu einem solchen Schluss kommen (Braun 2007). Im Gegenteil: geschlechtersensible Formen verhindern Missverständnisse, die beim generischen Maskulinum auftreten.

„Das sieht einfach nicht schön aus.“ / „Das ist Verunstaltung von Sprache.“

Was wir schön und angemessen finden, ist Geschmacks- und Gewöhnungssache. Solche Argumente treten bei sprachlichen Neuerungen häufig auf, ändern sich jedoch oft im Verlauf zunehmender Etablierung. Außerdem stellt sich die Frage, welches das höhere Gut ist: der persönliche Geschmack Einzelner oder Diskriminierungsfreiheit?

 „Die Sprache ist nun mal so, sie war schon immer so.“ / „Wir können die Sprache doch nicht einfach ändern.“

Sprache unterliegt einem ständigen Wandel: Beispielsweise benutzen wir heute nicht mehr 8 Fälle, wie es noch im Gotischen, einer ausgestorbenen ostgermanischen Sprache, der Fall war.

 „Frauen wissen doch, dass sie mitgemeint sind“ / „Wir wissen doch alle, wie das gemeint ist“

Empirische Studien sprechen dagegen: unbewusste Assoziationen, welche die Sprache bei uns auslöst, sind nicht steuerbar. Der Gebrauch generisch männlicher Formen erfordert im Gehirn sozusagen ein unbewusstes Umdenken. Auch wenn das generische Maskulinum oftmals generisch verstanden wird, können Zweifelsfälle damit nicht ausgeräumt werden. Und auch die Verknüpfung von männlichen Personenbezeichnungen und traditionellen Rollenbildern wirkt unbewusst auf uns ein. Selbst wenn es also nur in einigen Fällen zu Missverständnissen kommt, sind auch diese Fälle bereits problematisch und man sollte ihnen entgegenwirken.

„Wenn mich als Frau das nicht stört, ist es okay“ / „Ich als Frau habe mich noch nie diskriminiert gefühlt.”

Wer kann schon für alle Frauen und alle Situationen sprechen? Zu einer Gruppe zu gehören oder „betroffen“ zu sein, bedeutet nicht, für alle Mitglieder dieser Gruppe gleichermaßen sprechen zu können. Dass eine bestimmte Frau sich bisher nie diskriminiert gefühlt hat, bedeutet nicht, dass das Problem bei anderen nicht existiert. Daher kann man schwerlich allgemeingültige Aussagen über „alle Frauen“ treffen und die eigenen Erfahrungen auf andere Frauen übertragen.

Und: Auch Frauen können sexistisch sein. Und auch Männer sprechen sich zunehmend aktiv gegen Sexismus aus.