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Gleichstellung an der Viadrina

S

glossar ©Emil Kozole / Tanja Skander

Sex / biologisches Geschlecht

bezeichnet das Geschlecht einer Person nach deren Körpermerkmalen (Chromosomensatz, körperliche Faktoren, wie Größe, Erscheinung, Stimmlage) und wird oft binär als männlich oder weiblich gedacht. Durch aktuelle Erklärungsansätze, dass Geschlecht einerseits als biologisch und andererseits als sozial (s. auch soziales Geschlecht / Gender) konstruiert angesehen wird, werden frühere Geschlechtertheorien hinterfragt. Der Versuch, auch gesellschaftlich geprägte Rollenerwartungen oder Verhaltensmuster auf biologische Ursprünge zurückzuführen, wird auch als Biologismus bezeichnet. Daran ist problematisch, dass biologische Weiblichkeit und Männlichkeit als „natürliche“ Grundlage unhinterfragt zur Erklärung gesellschaftlicher Phänomene herangezogen wird. Im Laufe der Geschichte und ortsabhängig gab es übrigens sehr unterschiedliche Auffassungen davon, was „biologisches Geschlecht“ ist und nicht schon immer wurde in einem Zwei-Geschlechter-Modell (s. auch Zweigeschlechtlichkeit) gedacht.

Sexualisierte Belästigung

meint bestimmte Verhaltensweisen wie sexuelle Handlungen, Aufforderungen dazu, Berührungen, Bemerkungen oder pornographische Darstellungen, die von der betroffenen Person nicht gewünscht sind und sie einschüchtern, entwürdigen oder beleidigen sollen – so die Definition im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (§ 3). Sexuelle Belästigung ist meist weniger eine Frage der Sexualität als der Macht. Bestimmte Abhängigkeitsverhältnisse – im Job oder auch an der Uni – können ausgenutzt werden und mit der Androhung negativer Folgen verknüpft werden wie z.B. eine schlechtere Note oder eine Kündigung. Siehe auch Gewalt.

Eine europaweite Studie setzt sich mit sexualisierter Belästigung an Hochschulen auseinander: Gender-based Violence, Stalking and Fear of Crime (EU-Project 2009-2011), Link: gendercrime.eu

‘sich outen’ / Coming-Out

beschreibt den individuellen Prozess, sich seiner von gesellschaftlichen sexuellen Normvorstellungen oder von der festgelegten geschlechtlichen Identität abweichenden Empfindungen bewusst zu werden und dies dem sozialen Umfeld oder einzelnen Personen mitzuteilen. Das Coming-out kann sich aber auch auf Krankheiten oder nicht-sichtbare Behinderungen beziehen. Mit dem Coming-Out besteht oft die Gefahr, diskriminiert und stigmatisiert zu werden. Menschen haben immer das Recht, selbst darüber zu entscheiden, wann und wem sie welche persönlichen Informationen bekannt geben und es steht keiner Person zu, eine andere Person zu outen. Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte sind ein geschütztes Grundrecht.

Soziales Geschlecht / Gender

steht im Unterschied zum biologischen Geschlecht (sex). Darunter sind Eigenschaften oder Rollenerwartungen zu verstehen, die Personen(gruppen) aufgrund biologischer Geschlechtsmerkmale gesellschaftlich zugeschrieben werden. Es bezeichnet also alles, was in einer Kultur als typisch für ein bestimmtes Geschlecht angesehen wird (z.B. Kleidung, Beruf). Es verweist jedoch nicht unmittelbar auf die körperlichen Geschlechtsmerkmale (sex), sondern auf Symbole und Verhaltensweisen. Die Unterscheidung von gender und sex wird durch die Queer Theory in Zweifel gezogen.

Strukturelle Unterrepräsentation

Eine strukturelle Unterrepräsentation liegt dann vor, wenn auf einer höher liegenden Karrierestufe jeweils weniger Frauen vorhanden sind als auf der jeweils darunter liegenden. Dies ist bspw. der Fall, wenn Absolvent/-innen eines Studienfaches zwar noch überwiegend Frauen sind und bei Promovierenden desselben Faches eine Gleichverteilung vorliegt, jedoch bei Habilitationen und Professuren der Frauenanteil stark absinkt. Strukturelle Unterrepräsentation bedeutet auch, dass aus dem Pool qualifizierter Personen für eine bestimmte Stufe nicht in dem Maße geschöpft wird, wie es aufgrund der Qualifikation eigentlich erwartbar wäre. Strukturelle Unterrepräsentation betrachtet damit nicht nur eine „lokale“ Unterrepräsentation auf einer bestimmten Qualifikationsstufe, sondern hat den gesamten Qualifikationsverlauf im Blick. Siehe auch Gläserne Decke, Gender-Budgeting und Gender-Mainstreaming.