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Gleichstellung an der Viadrina

G

glossar ©Emil Kozole / Tanja Skander
Gender

steht für das soziale Geschlecht im Unterschied zum biologischen Geschlecht (sex). Darunter sind Eigenschaften oder Rollenerwartungen zu verstehen, die Personen(gruppen) aufgrund biologischer Geschlechtsmerkmale gesellschaftlich zugeschrieben werden. Es bezeichnet also alles, was in einer Kultur als typisch für ein bestimmtes Geschlecht angesehen wird (z.B. Kleidung, Beruf). Es verweist jedoch nicht unmittelbar auf die körperlichen Geschlechtsmerkmale (sex), sondern auf Symbole und Verhaltensweisen. Die Unterscheidung von gender und sex wird durch die Queer Theory in Zweifel gezogen.

Gender-Budgeting

bezeichnet die Überprüfung der Haushaltspolitik und der Entscheidungen über finanzielle, räumliche, personelle Ressourcen auf geschlechtsspezifische Ungleichverteilungen. Gender-Budgeting kann als Teil von Gender Mainstreaming in Bezug auf Haushaltspolitik verstanden werden. Im Ergebnis sollen finanzielle Entscheidungen so getroffen werden, dass sie aktuelle Geschlechterverhältnisse berücksichtigen und eine ungleiche Verteilung von Ressourcen aufgrund des Geschlechts vermeiden. Siehe auch Gender-Mainstreaming.

Gender Impact Assessment - Gleichstellungswirkungsprüfung

bedeutet, die Auswirkungen von politischen Maßnahmen auf verschiedene Geschlechter hin zu untersuchen (vgl. Gender-Mainstreaming).

Genderkompetenz

bezeichnet das Wissen über die Relevanz von Geschlecht, die Konstruktion von Geschlechterkategorien und geschlechtsspezifische Ungleichheiten sowie ein Bewusstsein für diesen Aspekt innerhalb der Gesellschaft - etwa in Gruppenprozessen, bei politischen Entscheidungen im Bereich von Bildung und Arbeitswelt. Genderkompetenz als Schlüsselkompetenz soll dazu befähigen, Gender Mainstreaming umzusetzen.

Gender-Mainstreaming

ist eine Strategie in der Politik, in Organisationen oder Unternehmen, um geschlechtsspezifische Ungleichheiten aufzudecken und mitzudenken. Der Grundgedanke ist simpel: Bei allen Prozessen und Entscheidungen, die wir treffen, sollen geschlechtsbezogene Auswirkungen beachtet werden. Für die Hochschulen in Brandenburg ist Gender-Mainstreaming im Hochschulgesetz verankert. Es ist als Querschnittsaufgabe zu verstehen, die in allen Bereichen von allen Mitgliedern der Hochschule umgesetzt wird. An dieser Strategie gibt es auch durchaus Kritik, etwa, dass nur eine Kategorie möglicher Benachteiligungen in den Blick genommen wird, nämlich das Geschlecht. Das versperrt zum einen den Blick auf die Verwobenheit von Diskriminierungsphänomenen (s. auch Intersektionalität). Zum anderen liegt der Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Auswirkungen in der Praxis häufig ein binäres Verständnis von Geschlecht zugrunde, dass inter, trans* und queer lebende Menschen nicht mitdenkt. Siehe auch Gender-Budgeting und Genderkompetenz.

Generisches Maskulinum

bezeichnet grammatisch männliche Formen, die auch für weibliche Personen oder gemischte Gruppen verwendet werden (bspw. Studenten). Sprache beeinflusst unser Denken. Trotz einem „Mitmeinen“ bleiben Frauen in der Sprache häufig nicht sichtbar. Werden sie hingegen explizit genannt, verändert dies auch die Wahrnehmung der Lesenden oder Hörenden. Es beeinflusst bspw. wieviel Frauen sich auf Stellenanzeigen bewerben oder für Ämter nominiert werden. Dass das generische Maskulinum nicht generisch funktioniert, sondern missverständlich und ausschließend wahrgenommen werden kann, haben verschiedene psychologischer und linguistische Studien untersucht.

Geschlechtergerechte Sprache

bezeichnet verschiedene Strategien, um Texte so zu formulieren, dass sie alle Geschlechter gleichermaßen ansprechen und angemessen repräsentieren. Geschlechtergerechte Formulierungen sind vor allem als Ersatz für generisch maskuline Begriffe gedacht. Möglichkeiten sind bspw. neutrale Begriffe (Studierende), Beidnennung (Studentinnen und Studenten), Splitting (bspw. Student/-innen), das Binnen-I (StudentInnen), der Gender-Gap/Unterstrich (Student_innen) oder auch die Variante des Sterns (Student*innen). Als nicht geschlechtergerecht gelten bspw. ein Hinweis in einer Fußnote, dass Frauen mitgemeint sind, oder die Klammerform (Student(inn)en), da die weibliche Form hier als weglassbares Element erscheint. Das generische Femininum (als Umkehrung des generischen Maskulinums) wird zumeist nicht als geschlechtergerechte Formulierung empfohlen, da auch hier – genauso wie beim generischen Maskulinum – bestimmte Gruppen nur mitgemeint sind.

Gewalt

kann verschiedene Formen annehmen und beginnt nicht erst bei einer körperlichen Verletzung. Auch Diskriminierungen können eine Form von psychischer Gewalt darstellen, da sie Personen verletzen, einschränken, verunsichern und gesundheitlich oder psychisch beeinträchtigen können. Folgen von Gewalt können sein, dass Personen isoliert werden und sich aus sozialen Aktivitäten zurückziehen.

Gläserne Decke

bezeichnet Hürden und Karriereschranken, die Frauen am Aufstieg in höhere Positionen hindern. Diese sind meist nicht explizit, sondern in strukturellen Rahmenbedingungen, traditionellen Geschlechterrollen und „ungeschriebenen Gesetzen“ begründet, die teils unbewusst bei Auswahl- und Förderverfahren zum Tragen kommen,.

Gleichstellung an der Hochschule

zielt darauf, eine tatsächliche Chancengleichheit von Frauen und Männern zu erreichen und zu diesem Zweck bestehende Nachteile zu beseitigen sowie ggf. unterrepräsentierte Gruppen zu fördern. Nach dem Brandenburgischen Hochschulgesetz ist Gleichstellung eine Aufgabe der Hochschulen als Ganzes. Dies betrifft Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts in Studium und Beruf, aber auch Nachteile aufgrund der Wahrnehmung von Familienaufgaben. Wie viele Gesetze geht auch das Hochschulgesetz übrigens nur von binären Geschlechtern (s. auch Binarität / Zweigeschlechtlichkeit) aus.