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Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften

Selbstverständnis

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Selbstverständnis 

 

Das IntraG widmet sich in Forschung und Lehre gesundheitswissenschaftlichen Fragestellungen vor dem Hintergrund zunehmender Internationalisierung der Medizin. Es versteht sich als Bindeglied zwischen Medizin, Kultur, Recht und Wirtschaft. Transkulturell orientierte Gesundheitswissenschaften beschäftigen sich in der Forschung mit unterschiedlichen kulturell geprägten Begriffen wie Gesundheit, Krankheit, Heilung und dem diesen Konzepten zugrunde liegenden Menschenbild. In praktischer Absicht leisten transkulturelle Gesundheitswissenschaften einen Beitrag zur Entwicklung einer transkulturellen Kompetenz bei der Untersuchung und Behandlung fremdkultureller Patientinnen und Patienten. Die "Beijing Deklaration" der Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass natürliche und traditionelle Medizinsysteme bevorzugt beforscht und auf ihre Nützlichkeit hin untersucht werden sowie dort - wo sinnvoll - in die medizinische Versorgung der Mitgliedsländer integriert werden sollen.  Die Forschungsstelle Rudolf Virchow beschäftigt sich auf der Grundlage des umfangreichen Archivs von Prof. Dr. Christian Andree mit der Erschließung des Gesamtwerks von Rudolf Virchow und erforscht wichtige Anknüpfungspunkte im Werk von Virchow zu den transkulturellen Gesundheitswissenschaften.

 

Die "Beijing Deklaration" der WHO

Hinter der Aufforderung der Weltgesundheitsorganisation, natürliche und traditionelle Medizinsysteme auf ihre Nützlichkeit hin zu untersuchen, verbirgt sich die Erkenntnis, dass unser modernes Gesundheitssystem zwar sehr gut im Bereich der Akutversorgung ist, aber für die westlichen Gesellschaften im Bereich der chronischen, funktionellen und degenerativen Störungen auf Dauer weder finanzierbar noch wirklich effektiv genug ist. Für den Rest der Welt ist es fraglich, ob unser Modell überhaupt brauchbar ist. Traditionelle Medizinsysteme können hier oft entscheidende Beiträge leisten. Die WHO gibt mit ihrer „Bejing Deklaration“ allen Regierungen den expliziten Auftrag, für eine wissenschaftliche Durchdringung und politische Integration solcher traditioneller Medizinsysteme zu sorgen. In der mitteleuropäischen Kultur sind dies vor allem die traditionelle europäische Naturheilkunde, die Homöopathie und anthroposophische Medizin, die eigene therapeutische Systeme darstellen. Hinzu kommt die Integration asiatischer Verfahren, wie sie z.B. im Rahmen der Traditionellen Chinesischen Medizin ausgeübt werden.

Das Institut für trans­kulturelle Gesundheits­wissen­schaften stellt sich dem Auftrag der Welt­gesundheits­organisation, widmet sich Fragen der Forschung im Bereich komplementärer Heilverfahren und bietet eine postgraduale Ausbildung für Ärzt_innen, Apotheker_innen, Psychotherapeut_innen und Praktizierende anderer Heilberufe an (Master of Arts für Kulturwissenschaften -  Komplementäre Medizin). Transkulturalität zeigt sich dabei auf verschiedene Weise: durch Vermittlung alter therapeutischer Denkweisen in die Gegenwart und ihre Durchdringung mit modernen Methoden, und durch gegenseitige Befruchtung therapeutischer Ansätze von West und Ost.

 

Pluralismus als Grundlage des wissenschaftliches Diskurses

In erkenntnistheoretischer Hinsicht beabsichtigen transkulturelle Wissenschaften die Begegnung verschiedener kultureller Konzepte der Erkenntnisgewinnung und streben die Sichtung des Erfahrungswissens aller Kulturen an. Wir sind offen für unterschiedliche methodische Zugänge – qualitative Forschung gilt uns als gleichermaßen wertvoll wie quantitative, naturwissenschaftliche – und für verschiedene therapeutische Ansätze. Wir sehen die Hauptaufgabe von Wissenschaft darin, offen zu sein für neue Fragestellungen und Einsichten und mögliche Erkenntnisse durch solide Methodik gegen Irrtum zu sichern. In diesem Sinne kennen wir keine apriorische Abgrenzung sondern nur eine Abgrenzung, die aller guter Wissenschaft innewohnt: die gegen dogmatische Positionen egal welcher Herkunft.

Einerseits stehen transkulturelle Wissenschaften für einen konsequenten Pluralismus und verfolgen das Ziel eines gleichberechtigten wissenschaftlichen Diskurses zwischen den unterschiedlichen Wissenschaftskulturen. Andererseits bedeutet transkulturell aber nicht nur ein Nebeneinander unterschiedlicher Konzepte, sondern ein wirkliches Miteinander und Ineinandergreifen, eine allmähliche Verwischung und schließlich ein Aufheben der Grenzen sowie die Herausbildung eines transkulturell Gemeinsamen.