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Im Spotlight: Philipp Hacker

Hacker ©Philipp Hacker

Lieber Herr Professor Hacker, 

Ende letzten Jahres wurden Sie für Ihre Habilitationsschrift mit dem Wissenschaftspreis der Deutschen Stiftung für Recht und Informatik ausgezeichnet. Können Sie kurz zusammenfassen, was die zentralen Inhalte Ihrer Arbeit sind?

Neue Technologien konvergieren zunehmend gegen ein umfassendes Internet of Everything, in dem auch Marktprozesse neu integriert werden. Daten werden Zahlungsmittel, neue Intermediäre treten auf den Plan. Für diese Welt ubiquitärer Datenerhebung und -analyse entwickelt die Arbeit einen Rechtsrahmen, der Privatautonomie fördert und zugleich zentrale regulatorische Herausforderungen (z.B. Datenschutzrisiken; Heterogenität von Datenschutzpräferenzen) adressiert. Entscheidend ist dabei, dass unterschiedliche, bislang eher separat gedachte Rechtsmaterien ineinandergreifen müssen, um eine sachgerechte Regelungsstruktur im Schnittbereich von Datenschutzrecht und Privatrecht aufzubauen. Die Arbeit unternimmt es, das Verhältnis dieser Rechtsmaterien zu bestimmen, insbesondere von DS-GVO und BGB. Denn meiner Ansicht nach fordert die Verschränkung unterschiedlicher Technologieformen mehr denn je ein rechtsbereichsübergreifendes Verständnis von juristischer Dogmatik und ein interdisziplinär fundiertes Konzept von Regulierung. Auf Basis des geltenden Rechts entwirft das Werk daher ein integriertes Marktordnungsrecht für digitale Austauschverhältnisse. Die Untersuchung schließt mit Reformperspektiven, die aufzeigen, wie die informierte Einwilligung durch eine technologische ersetzt werden kann, um eine privatautonome Gestaltung von Rechtsverhältnissen unter den Bedingungen der digitalen Wirtschaft zu ermöglichen.
 
Worauf begründet sich Ihrer Meinung nach die Entscheidung der Stiftung, Ihre Arbeit mit dem Preis auszuzeichnen?

Als Autor kann man das naturgemäß immer nur schwer nachvollziehen. Ich denke, dass drei Gesichtspunkte hier vielleicht bedeutsam waren: Erstens widmet sich die Arbeit mit der digitalen Integration von Austauschprozessen einem Thema, das auf gesellschaftlicher und politischer Ebene eine gewisse Relevanz besitzt. Zweitens versucht sie Neuland zu betreten, indem das unionale Datenschutzrecht mit dem teilweise noch national geprägten Privatrecht kurzgeschlossen wird, woraus sich eine Vielzahl an juristischen Problemstellungen ergeben. Drittens unternimmt es die Arbeit, dezidiert interdisziplinäre Ansätze, vor allem aus der Verhaltensökonomik und der Informatik, in die Argumentation zu integrieren und mit dogmatischen Strukturen des europäischen und deutschen Rechts zu verschränken. Ich hoffe daher, dass sich die Arbeit auch für künftige Untersuchungen aus verschiedenen Perspektiven als anschlussfähig erweist.

Wir wünschen uns an der Viadrina natürlich mehr von derartigen Erfolgsgeschichten. Was kann die Universität Ihrer Meinung nach tun, um Forschende in dieser Hinsicht besser zu unterstützen?

Zunächst möchte ich betonen, dass gerade mein unmittelbares Umfeld an der European New School of Digital Studies die interdisziplinäre Ausrichtung juristischer Grundlagenforschung sehr befruchtet. Insgesamt war es während der Arbeit an meiner Habilitation ein großes Privileg, dass ich auf der Grundlage von Stipendien konzentriert und durchgängig an der Untersuchung arbeiten konnte. Forschung braucht immer wieder diese mußevollen Freiräume. Eine Idee könnte hier die Ausschreibung von universitätseigenen „Schreibstipendien“ sein, die nicht mit einer monetären Vergütung, sondern eine Reduktion des Lehrdeputats einhergehen. Forscherinnen und Forscher könnten sich darauf bewerben und bei einem erfolgreichen Antrag längere Zeit fokussiert an einem größeren Projekt arbeiten.
 
Nachwuchswissenschaftler*innen müssen sich heutzutage in einem sehr kompetitiven Umfeld behaupten. Haben Sie einen Ratschlag für die Nachwuchswissenschaftler*innen der Viadrina im Hinblick auf eine sinnvolle Karriereplanung?

Ohne Bezug zum konkreten Fachgebiet lassen sich hier natürlich nur sehr allgemeine Grundsätze formulieren. Ich würde denken, dass es grundsätzlich wichtig ist, einerseits Erfahrung an einem Lehrstuhl und in der Lehre zusammen, dann aber nach Möglichkeit konzentriert an der eigenen Forschung zu arbeiten und hier einen Schwerpunkt zu setzen. Inhaltlich lohnt sich sicherlich in vielen Bereichen eine Verschränkung von klassischen Themen mit methodisch innovativen Ansätzen, um bei Berufungsverfahren sowohl die traditionellen Themen abzudecken als auch Mut zu neuen Ideen zu beweisen. Insgesamt wäre mein wichtigster Ratschlag: Neugierig bleiben und den eigenen Ideen vertrauen!

Wir danken Ihnen herzlich für die Beantwortung der Fragen!