Regine Skarubowiz
Die 30-Jährige arbeitete dort als Trainee für das internationale christliche Hilfswerk „World Vision“, das vor allem Kinder, Familien und Kommunen im Kampf gegen Armut und Ungerechtigkeit unterstützt. Sie verteilte Hilfsgüter wie etwa Moskitonetze oder Wassereimer an bedürftige Menschen. Sie nahm an Diskussionsrunden mit Frauengruppen aus Dörfern teil, in denen es um Probleme wie häusliche Gewalt, Armut, Gesundheit und Bildung geht. Regine Skarubowiz half bei Weiterbildungskursen im Nähen, Lesen, Schreiben und Rechnen oder unterstützte den Bau von Getreidemühlen und Schulen. Zu ihren Aufgaben gehörten die Analyse der Bedürftigkeit in einzelnen Gebieten ebenso wie das Verfassen von Berichten für die Geldgeber der Projekte wie Europäische Kommission oder Bundesregierung. Jetzt arbeitet Regine Skarubowiz in der Zentrale des Hilfswerks in Frankfurt am Main. Sie leistet Netzwerkarbeit und hält den Kontakt zu den Geldgebern. Nach dem Auslandsaufenthalt nach Frankfurt zu gehen – das sei der normale Werdegang, sagt Skarubowiz. Die Arbeit in einem Hilfswerk betrachtet sie jedoch eher als „untypisch“ für eine Kulturwissenschaftlerin.
Das Studium in Frankfurt hat ihr sehr viel Freude bereitet. „Aber ich fühlte mich nach dem Diplom nicht qualifiziert genug für ein spezielles Gebiet. Ich wollte noch mehr lernen", erinnert sie sich. Regine Skarubowiz entschloss sich daher für den Masterstudiengang "Humanitäre Hilfe" an der Ruhr-Universität Bochum. Die Recherchen für ihre Abschlussarbeit über die Koordinierung zwischen einzelnen Hilfswerken in Krisengebieten führten sie zu vielen internationalen Organisationen, zum Beispiel zu den Vereinten Nationen in New York.
Nach dem Studium ging sie als Trainee zu World Vision und als solche in den Südsudan- eine Region, in der nach 22 Jahren Bürgerkrieg erst seit 2005 Frieden herrscht. Die Infrastruktur ist schlecht, es mangelt den Menschen oft an einfachsten Dingen des täglichen Lebens. "Ich werde mit meiner Arbeit nicht die Welt retten. Aber ich trage dazu bei, dass sich etwas verbessert", erklärt sie. Jeder Tag in diesem fremden Kulturkreis war für sie eine neue Herausforderung. Die Offenheit, Wärme und Herzlichkeit der Menschen gehören zu den positiven Dingen, die ihr auffielen. Schwierig war es für sie, wenn sie nicht alle Ansprüche erfüllen konnte oder feststellte, dass eine Familie nicht so bedürftig war, wie sie vorgab, es zu sein. "Wir konnten nicht nach Lust und Laune Hilfsgüter verteilen", sagt sie.
Zu den wichtigsten Dingen, die sie für sich mitnahm, zählt die Erfahrung, dass man wirklich wenig zum Leben braucht. „Hier schließen die Menschen tausende Versicherungen ab, machen sich um die Wohnungsrenovierung, ihr Gehalt und Fernsehshows Gedanken“, sagt sie. Doch all das sei nicht so wichtig. Was wirklich zähle, seien Gesundheit, Freunde und Familie. Konkrete Pläne für die Zukunft hat Regine Skarubowiz nicht. Sie will erst einmal Fuß fassen in Deutschland. Einige Jahre kann sie sich Arbeit im Bereich humanitäre Hilfe noch vorstellen. Eine Karriere hat sie nie geplant: "Die Entscheidungen kamen immer aus dem Bauch heraus. Das, was mir wirklich Spaß gemacht hat, brachte mich weiter."

