Markus Ackeret
Von seinem Büro im Zentrum Moskaus blickt Markus Ackeret direkt auf das russische Regierungsgebäude, das sogenannte „Weiße Haus“. Der Schweizer berichtet als Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung seit fast drei Jahren über Politik und aktuelle Ereignisse in Russland. Aber auch Zentralasien und der Kaukasus gehören zu seinem Aufgabengebiet.
Erst vor wenigen Wochen hat Ackeret den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew in dessen Residenz interviewt. „Es ging unter anderem um die russisch-schweizerischen Beziehungen, den amerikanischen Verzicht auf das Raketenabwehrsystem oder die Modernisierung Russlands“, erzählt der Journalist. „Dabei konnten wir auch spontan sein und mussten uns nicht an die rund drei Wochen vorher eingereichten Fragen halten“, erinnert sich Ackeret, für den das Treffen mit Medwedew der bisherige Höhepunkt seiner Korrespondententätigkeit war. Aber auch andere Themen waren durchaus spannend: In den vergangenen Jahren und Monaten hat er etwa über den Tod von Boris Jelzin, über die Russischen und südossetischen Präsidentschafts- sowie die georgischen Parlamentswahlen berichtet. Ackeret schrieb eine große Reportage über ein Sommerlager der Kreml-Jugendorganisation „Naschi“. Recherchereisen führten ihn in die junge Boomstadt Chanty-Mansijsk in der westsibirischen Provinz, das Jüdische Autonome Gebiet Birobidschan im Fernen Osten Russlands sowie nach Kirgistan und Kasachstan. Die Region reizte den Korrespondenten schon lange vor seiner dortigen Tätigkeit. „Ich habe mich schon immer sehr für das politische Zeitgeschehen Osteuropas interessiert, vor allem seit dem Zerfall der Sowjetunion“, sagt Ackeret. Die Viadrina mit ihrer Grenzlage war daher für ihn der ideale Ort, seine Auslandssemester zu verbringen. Der damalige Student der Allgemeinen und Osteuropäischen Geschichte an der Universität Zürich absolvierte daher ab 2002 zwei Semester in Oderstadt.
Während seines Studiums schrieb er nicht nur Referate und Hausarbeiten, sondern als freier Journalist auch Berichte und Reportagen aus dem deutsch-polnischen Grenzraum für die Zürichsee-Zeitung. Ackeret lieferte schon damals Kommentare und Analysen über politische Ereignisse in Russland und anderen Ländern Osteuropas sowie Zentralasien. Er beobachtete aber auch Frankfurt (Oder) und Umgebung genau. In einem Aufsatz für das Buch "Die Viadrina - eine Universität als Brücke zwischen Polen und Deutschland" etwa schreibt er: „Wann immer ich konnte, brach ich auf: immer wieder an die Oder und Neiße, nach Schwedt, Küstrin, Guben oder Görlitz, nach Berlin, Poznan und natürlich Slubice. Viele Reisepläne blieben Notizen und Träume, und oft erschöpften sich die Ausflüge in ausgedehnten Spaziergängen durch Frankfurt und das eine oder andere nahe Dorf. Die Studentensiedlung Mühlenweg war dafür günstig gelegen – am ausfransenden Rand der Stadt, hoch über dem Fluss, der mir in dem Jahr und seiner späteren Fortsetzung sehr nah kam. Wie viele Stunden verbrachte ich lesend auf dem Ziegenwerder! Und wie oft blickte ich einfach nur in die Ferne, ostwärts in die Weite!“
Zurück in Zürich ging er als Volontär in die Auslandredaktion zur Neuen Zürcher Zeitung und beendete parallel sein Studium. Nach dem Abschluss im Jahr 2005 entschied er sich für eine Rückkehr nach Deutschland - diesmal als Doktorand am Lehrstuhl des Osteuropahistorikers Karl Schlögel an der Viadrina. Doch aus der Doktorarbeit wurde nichts: „Überraschend kam ein Angebot von der NZZ, als Korrespondent nach Moskau zu gehen – das war natürlich ein Traum“, erzählt Markus Ackeret. „Es ist eine sehr schöne Vielfalt an Themen und ich kann meine Arbeit selbstständig gestalten“, sagt Ackeret. Aus der „Zentrale“ in Zürich werde nur wenig vorgeschrieben. Themen bietet der Korrespondent meistens selbst an. In Russland gestalte sich die Recherche allerdings oft schwierig. Bei Wahlen sei es kaum möglich, mit den Kandidaten persönlich in Kontakt zu treten. „Es ist generell oft kompliziert, an gewisse Informationen heranzukommen“, sagt der Journalist. Die Bürokratie führe oft dazu, dass sich einfache Recherchen über Tage hinziehen.

