Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften
Xenos
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XENOS: Interkulturelle Kompetenz zum Rettungsassistenten
Die deutsche Gesellschaft ist bereits heute durch kulturelle Vielfalt gekennzeichnet. Eine Herausforderung ist die derzeitige Situation in der deutschen Gesundheitsversorgung, die eine adäquate medizinische Versorgung von Patienten mit Migrationshintergrund nicht garantieren kann, da sprachliche und kulturelle Missverständnisse in vielen Fällen zu Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen führen. Auch im deutschen Rettungswesen kommt das Personal mitunter an seine Grenzen, wenn innerhalb der Notfallversorgung Probleme bei der Kommunikation mit Menschen mit Migrationshintergrund auftreten.
Dieses Dilemma, bestehend aus einer unzureichenden Patientenversorgung auf der einen, sowie verunsicherten, verärgerten und mitunter frustrierten Rettungsdienstmitarbeitern auf der anderen Seite, soll im Rahmen des XENOS-Programms „Interkulturelle Kompetenz zum Rettungsassistenten“ überwunden werden, indem die kommunikativen Fähigkeiten der sich in der Ausbildung zum Rettungsassistenten befindlichen Projektteilnehmer spezifisch auf interkulturelle Anforderungen im Rettungsdienst geschult werden.
Den Auszubildenden werden in diesem Sinne für die Arbeit in der Notfallrettung und im qualifizierten Krankentransport relevante Fremdsprachenanteile sowie notwendiges Hintergrundwissen zu Eigenarten, Sensibilitäten und Tabus der jeweiligen Sprecherkultur vermittelt, um innerhalb ihrer anspruchsvollen Tätigkeit eventuelle Verständigungsprobleme situativ und effizient lösen zu können.
Die zu unterrichtenden Sprachinhalte mitsamt Kulturwissen orientieren sich an den in Deutschland quantitativ meistvertretenen Migranten. Insofern setzt sich der Unterricht aus mehreren Einheiten zusammen, die sich jeweils mit der arabischen, polnischen, russischen, serbokroatischen, türkischen und – als allgemein verwendbarer lingua franca – englischen Sprache sowie jeweiligen Kultur auseinandersetzen.
Den angehenden Rettungsassistenten wird damit nicht nur eine kulturelle Empathie, sondern auch ein allgemein verbessertes soziales und kommunikatives Gespür für schwierige Situationen im Rettungsdienst vermittelt. Es entsteht so ein neuer Standard in Bezug auf die kommunikativen Fähigkeiten von Mitarbeitern der Rettungsdienste, der als ein Vorbild sowohl für zukünftige Auszubildende als auch für bereits tätiges Personal im Bereich Rettungswesen gelten kann.
Träger dieses vom Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) sowie dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderten Programms ist die European Business Academy mit Sitz in Berlin (EBA), die in der Konzeption und Umsetzung der interkulturellen Inhalte mit dem IntraG der Europa-Universität Viadrina kooperiert.
Im IntraG selbst zeichnet seit 1.08.2010 Tjalf Hoyer für das Projekt verantwortlich, der als Kulturwissenschaftler sowie Rettungssanitäter in Personalunion nicht nur über kulturtheoretisches Wissen verfügt, sondern auch die praktische Realität im deutschen Rettungswesen kennt.

